Freitag, 30. Oktober 2009

How To Be A Cowgirl

Situationsbeschreibung: Ich sitze mit Schweißausbrüchen auf meinem Bett, offensichtlich mit meinem Laptop vor mir und höre mir einen American-Singer-Songwriter-Verschnitt von Amy McDonalds an. Die Gute hat zwar eine ganz nette Stimme, hat aber leider den fatalen Fehler begangen ihr Album "the in between" zu nennen, was mich so sehr an Brittney Spears erinnert, dass ich meinen Radiokollegen wohl raten werde sie nicht zu spielen. Alle 5 Minuten schaue ich rüber zu meiner lieben Zimmernachbarin um mit ihr entsetzte und immer mehr genervte Blicke auszutauschen. Wir warten auf die Rückkehr einiger Mitbewohner um dann als eine Gruppe von Ghostbustern zu unserer ersten Halloween-Party aufzubrechen. Scarier als hier kann es allerdings kaum mehr werden. In unserem Haus rennt eine Horde vollkommen verrückter Asiaten herum, die als Katzen oder Kürbisse verkleidet schreiend und kichernd Hamburger essen und scheinbar das Bier nicht so gut vertragen... Eine interessante Beobachtung ist, dass Asiaten tatsächlich knallrot im Gesicht werden, wenn sie Alkohol trinken... kurzum: unser Vermieter schmeißt eine Halloween-Party für seine Sprachschule in unserem Haus und ich fürchte mich ernstahft davor mein Zimmer zu verlassen!



Ich habe noch garnicht von meinem letzten Wochenende berichtet...

Letzten Samstag war Homecoming hier. Das bedeutet Football, eine Parade mit lustigen Wägen, Kappellen und Homecoming King&Queen und crazy Parties Samstag Nacht. Ich hatte leider kein Ticket fürs Spiel weil meine Motivation mich schon zwei Wochen vorher um 8 Uhr morgens mit einem Haufen Football-Wütiger in eine Schlange zu stellen recht gering war. Scheinbar war das Spiel eh nicht spektakulär und mal wieder ein einfacher Sieg für unser Uni-Team, das im Moment jedes Spiel gewinnt, so dass die Football-Euphorie gerade wohl noch größer ist als sonst. Football und die Schweinegrippe sind jedenfalls überall die Nummer 1 Themen, seit ich hier bin.


Sehr viel cooler als der Samstag war allerdings mein Sonntag! Das International Office hat eine Ausflug auf eine Ranch in Indiana organisiert... das war einfach der perfekte Tag!
Bei strahlendem Sonnenschein sind wir durch die herrlichste Herbstlandschaft geritten. Durch den Wald, der in den schönsten Rot-, Orange-, Gelb- und Grüntönen geleuchtet hat, durch kleine Bäche und einen richtigen Fluss und entlang an riesigen Kornfeldern. Obwohl mir ja jeder prophezeit hat, dass ich im Kornspeicher von Amerika leben werde, war das tatsächlich das erste Mal, dass ich echte Kornfelder zu Gesicht bekommen habe! Es war herrlich!!! Toll war vor allem, dass ich keinen alten lahmen Gaul bekommen habe, sondern ein richtiges Pferd, das doch tatsächlich auf Kommandos reagiert hat! Ich wollte am liebsten nie mehr absteigen! Mein Pferd hiess Whiskey... vielleicht war das der Grund warum wir uns so gut verstanden haben...
Was ich allerdings ganz vergessen hatte ist, dass Reiten Teile deines Körpers zum Schmerzen bringt, die du sonst selten so bewusst wahrnimmst. Und das jetzt schon eine Woche lang...


Nach dem Ausreiten haben wir dann noch eine kleine Siedlung besucht, wo alles mega touristisch im altkolonialistischen Stil eingerichtet ist. Mein Favorite war der Halloween-Friedhof!


Mein Fazit: Homecoming-Queens sind nicht unbedingt heiss und wunderschön und das Glück dieser Erde liegt definitiv auf dem Rücken der Pferde!

Happy Halloween!


Mittwoch, 21. Oktober 2009

Indian Summer

Der Indian Summer ist da!

Natürlich kehrt das schöne Wetter genau dann zurück, wenn ich mir eine Winterjacke kaufe... aber ich will mich mal nicht beschweren! Die letzten Tage war hier der goldenste Oktober und ich konnte einfach nicht widerstehen noch ein paar kitschige Touribilder vom Campus zu machen



Die Kamera mitzunehmen war heute auch tatsächlich eine gute Idee. Mitten auf dem Campus hat eine der Fraternities eine bunte alte Schrottkarre geparkt, die dann von schlagkräftigen Studenten unter großem Gejohle der Zuschauer mit einem Hammer zertrümmert wurde. Vielleicht war das das Bewerbungsverfahren oder die Aufnahmeprüfung, wer weiss...
Mir persönlich sind die ganzen Fraternities und Sororities ja höchst suspekt aber in Amerika ist es glaub ich ziemlich normal zu irgendeiner Gemeinschaft zu gehören. Die Meisten haben lustige griechische Namen (Kappa Delta Phi, ...) und ihre hübschen Häuschen am Rande vom Campus. Vor allem die Fraternities sind für ihre wilden Parties bekannt, die ich bisher noch nicht besucht habe...
Zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen habe ich neulich einen Film mit dem glorreichen Namen "Sorority Wars" angeschaut und das Faszinierendste daran war, dass es hier tatsächlich genauso ist wie in dem Film! Die Häuser, das Campusleben, die Leute (natürlich sind nicht alle irgendwelche abgedrehten Sorority-Zicken!) ... Fernsehen lügt eben doch nicht immer! Oder manchmal zumindest nur ein bisschen...
Ich fühle mich auch immernoch jedes Mal wie in einem Gangster-Film, wenn ich die Polizei Sirene draußen höre. Dagegen ist unser deutsches Tatütata nicht gerade spektakulär.



Mein Studentenleben hier gefällt mir auch immernoch ganz gut, auch wenn es langsam anfängt wirklich stressig zu werden. Hier ist schon Midterm, krass oder !?
Eine meiner wichtigsten Lektionen hier: Avoid being a Volunteer! (Ach ja, deutsche Sprache fällt mir immer schwerer ;) )
In meinem Studio-Production Kurs hab ich mich vor lauter Mitleid mit dem Dozenten dazu erweichen lassen für ein paar Beleuchtungsdemonstrationen nach vorne zu kommen.
Ein gutes Herz zu haben ist nicht immer die beste Entscheidung kann ich nur sagen!
Ich musste mich auf einen Barhocker setzen, die Kamera wurde auf mein Gesicht gezoomt, so dass es hübsch auf einer Großleinwand zu sehen war und dem Rest des Kurses wurden anhand von Licht und Schatten und der Textur meiner Haut verschiedene Beleuchtungstechniken demonstriert.
Äußerst angenehme Situation, wenn 15 Mann (Männeranteil von guten 90%) auf dein XXL-Gesicht starren, besonders wenn es 9 Uhr morgens ist und die verdammten Augenringe mal wieder den Kampf gegen den Abdeckstift gewonnen haben.
Manche von euch mögen sich wohl fragen warum jemand der seine Visage bereits für Pro7 Sushi-Tests und Nachbarschaftsstreitereien hergegeben hat, damit ein Problem hat... Ganz ehrlich: keine Ahnung!

Meine lieben Kommilitoninnen und Kommilitonen (schreibt man das so?), da ihr euch seit letzter Woche wieder mit dem Cip-Raum und diesen hässlichen, uralten Kisten herumärgern müsst, die gefühlte 2 Stunden brauchen um sich hochzufahren, muss ich euch noch etwas zeigen, was euch bestimmt ein klitzekleines bisschen neidisch machen wird...

(Die PCs im Computerraum - es ist eben alles ein bisschen größer hier...)

Ach ja, und eine kleine Ergänzung noch zum Stylomaten:
Sobald hier die Sonne scheint, packen die Amis ihre FilFlops aus. Wen kümmerts schon, dass es nur 15 Grad hat?
Und ich bin ja wirklich ein großer Fan von Leggins (meine neueste Errungenschaft ist lila, wer hätts gedacht?) aber hier gibt es definitiv noch größere Fans! Fans, die ihre Leggins so sehr lieben, dass sie alles von ihr zeigen wollen... alles! Das bedeutet, dass es keine Seltenheit ist, dass Mädchen Leggins und T-Shirt oder Pulli tragen.
Allerdings ohne Röcke oder Hosen - Wozu auch?

Samstag, 17. Oktober 2009

We Are Born in the 80s!

Gestern war einfach der perfekte Tag!

Trotz akkutem Schlafmangel habe ich mich aus dem Bett gequält um mich in Begleitung von Laure und Toti zum Recreation Center aufzumachen, wo ich stolze 50 Bahnen geschwommen bin (glaubt mir das irgendjemand??? Ich glaubs eigentlich selbst nicht!) !!!

Diese unglaubliche Befriedigung wurde dann am Nachmittag von einem seeeehr erfolgreichen Shoppingtrip Downtown getoppt! Keine Ahnung wann ich das letzte Mal so viel Geld an einem Tag ausgegeben hab... aber ich hatte einfach keine Wahl! Ehrlich! Wir waren bei TJmaxx und es ist einfach der Wahnsinn wie billig da alles ist. Das krasse ist, dass man nicht irgendwelche günstigen Klamotten bekommt, sondern richtig gute Markensachen. Ich habe original Converse-Schuhe und eine Adidas-Trainingshose für jeweils (umgerechnet) 15 Euro gekauft! (Ist jemand aufgefallen, dass ich hier große sportliche Ambitionen entwickle?)
Beim Anprobieren musste ich zwei Mal gehen weil die Spielverderber mich nicht alles auf einmal anprobieren lassen wollten und beim Anstehen an der Kasse ist mir fast der Arm abgefallen...

Papa, wenn du das hier liest, don't worry! Ich hab mein Geld überaus sinnvoll investiert! :)

Die sinnvollste Investition habe ich dann aber noch beim Endspurt, ca. 200 Meter von meiner Haustür entfernt gemacht! Eine Billabong-Winterjacke für umgerechnet 57 Euro!!! Ein Hoch auf den Dollar-Kurs!


Vom Shopping-Heaven bin ich anschließend in den Party-Heaven geschwebt...
Wir haben gestern unsere erste richtige Party hier im Haus veranstaltet. Carlos hatte die Woche Geburtstag und das wurde mehr als gebührend mit einer 80er-Jahre Party in unserem Keller gefeiert!


Die Vorbereitungen haben sich über die ganze Woche gezogen: vom perfekten Flyer über die perfekte Playlist, bis zur perfekten Akkustik und Beleuchtung war alles bis ins Detail geplant. Trotzdem hatten wir alle ein bisschen Angst, dass keiner kommt und die Party ein Flop wird. Zum Glück unbegründet! Ich weiss Eigenlob stinkt, aber die Party war der absolute Wahnsinn!!! Witzig war, dass Laure ungefähr zwei Stunden vor der Party einen Anruf von einem Freund bekommen hat, der gefragt hat ob wir einen DJ haben wollen... irgendein Freund würde umsonst auflegen wenn wir wollen... so, why not?



Als ich heute Mittag aufgewacht bin und mich in die Küche gewagt habe um meinen knurrenden Magen zu besänftigen, hatte ich echt Angst vor dem was mich dort erwarten würde. Der Schock war umso größer als ich statt Millionen leerer Bierdosen und halbvollen Bechern und was man halt sonst noch so findet nach einer Party mit geschätzten 100-150 Gästen, eine strahlend saubere Küche vorfinde - so geblitzt und geblinkt hat diese Küche noch nie!
Hier leben eben gute Geister!

Sonntag, 11. Oktober 2009

Just Another Weekend

Eigentlich wollte ich ja nur bloggen, wenn ich auch etwas zu erzählen habe... Heute ist allerdings ein besonderer Tag und ein besonderer Tag verdient besondere Aufmerksamkeit!

Heute bin ich seit genau 4 (!!!) Wochen in Cincinnati! Und ja, der Spruch ist abgedroschen, aber: Es fühlt sich an als sei ich erst gestern angekommen! Hach, wie die Zeit vergeht...

Besonders die Wochenenden verfliegen! Jetzt ist es schon wieder Sonntag Abend und ich drücke mich erfolgreich vor den 120 Seiten, die ich bis Dienstag aufmerksamst gelesen haben sollte, da demnächst schon die ersten Tests anstehen. Wat solls...

Das mich-vor-dem-Studieren-drücken ist auch einfach zu leicht hier!

Am Freitag waren wir auf einer Geburtstagsparty eingeladen. Es war das erste Mal, dass wir in einem richtigen Club gefeiert haben. Zuerst hat uns am Eingang so ein XXL-Glatzkopf mit einem fetten schwarzen Eddingmarker seltsame Zeichen auf die Hand gemalt. Ich dachte der spinnt! Kurze Zeit später wurde mir allerdings klar, dass mein neues Tattoo zusammen mit dem Passwort "Larissa" Free Shots für den Rest der Nacht bedeuten... unter diesen Umständen fiel es mir dann nicht mehr ganz so schwer mich mit meinem neuen Körperschmuck anzufreunden. Gefeiert wurde dann im VIP-Bereich mit XXL-Wodkaflaschen in Eiskübeln und einer Auswahl an verschiedenen Säften, serviert von Mädchen, die in ihrem Outfit auch bei Hooters arbeiten könnten. Delicious! ... Die Säfte wohlgemerkt!
Das einzig wirklich blöde ist, dass Öffnungszeiten hier strikt vom Gesetz geregelt werden, so dass um 2 Uhr knallhart Licht an- und Musik aus- und wir notgedrungen nach Hause gehen um die Party in unserer Küche fortzusetzen.


Nachdem heute eine Horde Football-Wütiger unser Wohnzimmer in Beschlag genommen hat, habe ich beschlossen zum ersten Mal Schwimmen zu gehen. Auf dem Campus gibt es ein Recreation Center, das wohl das riesigste Sportzentrum ist, das ich jemals gesehen habe. Zum einen gibt es dort alle Fitness Geräte, die man im Fitnesscenter findet in hundertfacher Ausführung, zum anderen gibt es bestimmt 10 Hallen für alle Ballsportarten, extra Squashhallen, eine Laufbahn wie im Leichtathletikstadion, eine Kletterwand, drei riesen Schimmbecken und einen Whirlpool. Und das Beste ist, der ganze Spass ist 7 Tage die Woche von Morgens bis Abends geöffnet und für Studenten komplett umsonst!!! Das ist vermutlich die Erklärung warum hier nicht alle fett sind... Ich persönlich habe mir nach den stolzen 40 Bahnen, die ich heute gezogen habe (Laura, du wärst sooooo stolz auf mich gewesen!!!) , erstmal ein Subway Mittagessen gegönnt, allerdings Veggie-Delight :)
Und als ich dann zurück kam hat in meiner Küche auch gleich die nächste Sünde gewartet... Football-Törtchen... die spinnen zwar die Amis aber was Süßigkeiten angeht sind sie einfach unschlagbar!

Freitag, 9. Oktober 2009

Our Home is Our Castle!

Heute ist ein guter Tag!

Mit dem Wetter hat das in diesem Falle eher weniger zu tun, denn hier ist es jetzt definitiv Herbscht!
Das bedeutet erschreckende Kälte, konstanter Wechsel zwischen Sonnenschein und Gussregen und Blätter, die sich in den hübschesten Farben präsentieren. Dies alles verstärkt mein Gefühl, dass wir hier in einem kleinen verwunschenen Geisterschlösschen wohnen.

Das ist übrigens mein Viertel, was wohlgemerkt eines der schönsten in Cincinnati ist:


Bestärkt wird dieses Gefühl von dem Geruch von gebratenen Würstchen, der jeden Morgen durch das Haus zieht, obwohl die Verdächtigen vehement abstreiten Morgens zu kochen ... "Cooking in the morning? Ooohhh nonononooooooo!!!" ... Die unendlichen Stapel von dreckigem Geschirr erscheinen wohl auch durch Geisterhand, denn egal wie oft man sie bekämpft, sie kommen immer immer immer wieder! Verschwinden tun dafür Suppen, Käse, Milch, Müsli,... Ach, diese Geister!



Aber nicht nur die Geister bereiten sich auf die spukige Jahreszeit vor. Unsere kleinen braunen Freunde sind auch schon ganz fleißig! Kleine braune Freunde? Ich habe wirklich keine Ahnung warum, aber in Cincinnati wimmelt es nur so vor Eichhörnchen! Die kleinen Nager springen zu Hunderten um uns herum. Auf dem Campus, im Park, auf der Straße und in den Bäumen vor unseren Fenstern,... nicht alle Hausbewohner sind davon so angetan wie ich, weshalb schon kräftig Pläne für ein großes Squirrel-BBQ in unserem Garten geschmiedet werden.


Zurück zu der Frage warum heute trotz unfreundlichstem Regenwetter ein guter Tag ist...

Drittens: weil ich heute nur ein Seminar hatte und den Rest des Tages mit Lesen, in die Heimat skypen, im Bett liegen und mit meinen Mitbewohnern rumgammeln verbringe.

Zweitens: weil wir heute Abend zum ersten Mal in einen richtigen Club gehen um zu dancen und den Geburtstag einer Freundin zu feiern.

Und Erstens und Allerwichtigstens: Weil die Putzfrau, für die wir alle ordentlich Kohle bezahlen und die eigentlich alle zwei Wochen das Haus zum Blinken bringen soll, heute (nach VIER Wochen!!!) zum ersten Mal ihren Hintern in mein Bad bewegt hat um es tatsächlich zu putzen!!! Das war schon ein paar Freudensprünge wert! Die gute Frau hat sich nämlich die ersten drei Wochen garnicht sehen lassen um dann aufzutauchen und die Treppe zu wischen (enorm wichtige Tätigkeit!). Als es dann zum spannenden Part kam meinte sie, die Bäder seien ihr jetzt zu viel, sie kommt dann nächste Woche wieder. Ich war nicht die einzige, die sie heute mit Wutschnauben und falschem Lächeln beobachtet hat bis alles sauber war.
Für alle, die sich fragen wie ich es die letzten Wochen in diesem Bad ausgehalten habe, hier ein paar Impressionen:


Bei dem Bad kann man schon mal über ein bisschen Dreck hinwegsehen... (ich habs zumindest versucht und ab und an selbst Initiative ergriffen, wenns zu schlimm war)

So sehr ich auch die sonntäglichen Tatortabende mit meinen liebsten Münchnern vermisse, bin ich doch sehr erfreut, dass sich hier langsam neue Traditionen auftun! Donnerstag Abend ist der Familienabend der Conversa-Crew. Um 9 Uhr finden sich Weiblein und Männlein (!!!) in unserem wundervollen All-American-Wohnzimmer ein, alle bewaffnet mit mehr oder weniger gesundem Essen und voller Erwartung wieviel Blut und Tränen heute wohl wieder fließen werden im Seattle Grace. Für alle, die jetzt nicht wissen wovon ich spreche... hier läuft seit 3 Wochen die neue Grey's Anatomy Staffel!
Und es sind nicht immer nur die Mädchen, die aufschreien, wenn mal wieder ein hübscher blutiger Schweinedarm in die Kamera gehalten wird!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

American University - Hard Work und der Stylomat

Hello hello,

es ist schon unglaublich wie abhängig meine Stimmung vom Wetter ist!
Als ich heute morgen durch dicke kalte Nebelsuppe den Berg hoch zur Uni gestapft bin, habe ich ungefähr alles und jeden verflucht und mich ganz dringend zurück in mein Bett gewünscht. Inzwischen sitze ich bestens gelaunt auf meiner sonnigen Veranda, bereite mich mental auf meine Hausaufgaben vor und warte darauf, dass mein Super-Koch-Mitbewohner Thomas vom Supermarkt zurückkommt und wir lecker Hühnchen-Curry machen. Meine Hausaufgabe heute: kreativ sein! So, here we go...


Der Kurs von heute morgen heisst Studio Television Production und findet in einem richtigen Fernsehstudio statt. Wir lernen nicht nur die Theorie, sondern dürfen selbst die Kameras bedienen (ob das in meinem Fall eine gute Idee ist?) , Licht und Ton regeln, moderieren,...
Der Professor ist vielleicht Mitte 30, trägt Ohrringe und Chucks und meint: Hey guys, just call me John! Dass Professoren einem den Vornamen anbieten ist hier keine Ausnahme. Anders als bei uns wird wenig Wert auf Formalität gelegt. Die Kurse sind klein und die Professoren versuchen ihre Studenten kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Überhaupt ist die E-Media ein extrem kreatives Arbeitsumfeld. Die Kurse bestehen vor allem aus Projektarbeit. In meinem News Writing Kurs (der von Norma Rashid - scheinbar ziemlich bekanntes TV-Gesicht hier - gegeben wird. Sie ist eine echt coole Frau, ich glaube ich habe ein neues Vorbild gefunden!) schreibe ich gerade meine ersten eigenen Radionachrichten mit O-Tönen aus Interviews, etc. und im Radiokurs kriege ich Credits dafür, dass ich meinen Senf zu neuen Indieplatten abgebe und Lieder aussuche, die gespielt werden sollen. Der Spassfaktor in (meinem Teil) der Uni ist definitiv um einiges höher als in Good Old Germany. Der Arbeits- und Anspruchsfaktor allerdings auch! Hier wird erwartet, dass man immer vorbereitet ist für die Kurse und dass man seine Freizeit in die Projekte investiert. Ich schwanke also stetig zwischen die-Uni-macht-mir-riesen-Spass und kompletter Überforderung! Mal schaun wies ausgeht...
John hat sich heute jedenfalls mit einem wichtigen Auftrag aus der Stunde verabschiedet: "Your homework for this weekend: be creative and do something you're passionate about!"

Ich habe inzwischen meine erste Uniwoche überstanden und bin mit meiner Kurswahl bisher ganz zufrieden. Zu den "cool kids" gehöre ich wohl immernoch nicht (das MacBook Pro fehlt eben) aber ich mache mich langsam und fange sogar an, in den Kursen mein (Nicht-)Wissen zu verkünden...

Wie bei uns auch, gibt es an der Uni die unterschiedlichsten Menschen und vor allem die unterschiedlichsten Styles. Indie-Styler, Hip-Hop-Skater-Boys, Gangster-Rapper, Gucci-Highheel-Mädchen (die wohlgemerkt momentan diesem grauenhaften Gummistiefel-Trend folgen, der in Deutschland zum Glück schon wieder verebbt ist) Punks und Nerds.
Kennt man ja alles schon.
Was wir in der Heimat allerdings nicht haben (oder zumindest nicht in diesem überwältigenden Ausmaß) sind die Sport-Freaks. Die Sport-Freaks kommen prinzipiell in ihren Trainingsklamotten in die Kurse. Wer jetzt an durchtrainierte Boys in T-Shirt oder Trickot und Trainingshosen denkt malt sich nur die schönste dieser Erscheinungen aus. Während man den Jungs ihr Aussehen vielleicht noch als sportlichen Style auslegen kann, gibt es bei den Mädchen keine Entschuldigung mehr.
Shorts, Trainingshosen, Schlabber T-Shirts und Pullis, Haare aus dem Gesicht und mit Haarband streng nach hinten fixiert, Flip-Flops, Rennschuhe und am besten noch den Eisbeutel ums Bein gebunden... was man eben so braucht um allzeit bereit zu sein... Heute Morgen gesichtet: Schlabbershirt in die Jogginghose gesteckt, dazu Badeschlappen!!! Ich weiss ich bin oberflächlich und ich will ja nicht gemein sein aber es sieht noch schlimmer aus, als es klingt!

Sport und der damit verbundene Patriotismus sind extrem wichtig hier. Das führt dazu, dass jeder 3. entweder mit den Trainingsklamotten seines Uni-Sport-Teams unterwegs ist (und es gibt keinen Sport, für den es hier kein Team gibt!) oder generell mit Klamotten, die irgendeinen unibezogenen Aufdruck haben. Die sehen größtenteils sogar echt gut aus. Ich glaube ich werde mir für den kalten Winter auch noch einen Bearcats-Hoody zulegen. Wenn ich meine Nerven weiter so ausgiebig mit Oreos (den göttlichsten Keksen der Welt) füttere, kann ich ihn auch gleich in Übergröße kaufen!