Die meiner Meinung nach überaus erfreulichen Ergebnisse von letztem Sonntag, sind ein guter Anlass von meiner persönlichen Begegnung mit dem amerikanischen Gesundheitssystem zu berichten.
Da ich scheinbar nicht so gut auf meine Gesundheit geachtet habe wie ich dachte, habe ich mir leider einen ziemlich nervigen Husten zugelegt. Das wäre ja nicht so dramatisch, wenn nicht nach einiger Zeit meine linke Hüfte angefangen hätte übelst zu schmerzen. Nachdem ich das dann drei Tage lang versucht habe mit Schmerzmitteln zu betäuben und es immernoch da war, hab ich langsam angefangen mir Sorgen zu machen, dass es vielleicht meine Niere ist. Das hat mir dann doch genügend Respekt eingejagt um mich auf den Weg ins Krankenhaus zu machen. Dort angekommen habe ich versucht herauszufinden ob der Check in der Notaufnahme von meiner Universicherung gedeckt wird. Ganz sicher war sich da keiner, die Aussage war dann letztendlich, dass ich auf jeden Fall 100 $ zahlen muss und es nicht sicher ist wie hoch die tatsächliche Rechnung sein wird.
Meine Reaktion: Ich glaub es tut doch nicht so weh. Tschüüüss!!!
Das war einer der Momente, in denen ich doch ganz gerne in Deutschland gewesen wäre! Denn bei allen Beschwerden über unser Sozial- und Gesundheitssystem haben wir eben doch keine Ahnung wie es sich anfühlt, wenn diese Systeme tatsächlich nicht funktionieren.
Und auch wenn ich manche Gegenargumente zur Gesundheitsreform gut verstehen kann, finde ich, dass ein System bei dem man nach drei Tagen Schmerzen und einer halben Stunde Wartezeit das Krankenhaus wieder verlässt weil man sich vielleicht die Rechnung nicht leisten kann, nicht besonders gut funktioniert. Ganz im Ernst.
Und auch wenn ich mit meinem politischen Nicht-Wissen wahrscheinlich besser die Klappe halten sollte, aber das ganze Gejammer wie schlecht unser Sozialsystem ist geht mir echt auf die Nerven, wenn ich sehe wie Freunde in Amerika richtig Angst haben müssen vor Arbeitslosigkeit weil das dort bedeutet, dass KEINER sich um dich kümmert! Da gibts keine Sozialwohnung und kein Arbeitslosengeld. Da gibts wenns dumm läuft einfach garnichts mehr.
Apropos Arbeitslosigkeit, an meinem letzten Tag beim Praktikum war ich dann doch ganz überrascht wie traurig alle schienen, dass ich gehe... ich bin wohl ziemlich gut im facebooking.
Meine letzten Wochen und Tage in Cincinnati waren eigentlich noch sehr schön und der Abschied deswegen umso trauriger.
Ich war mit Freunden im "Hofbräuhaus" und hab da gleich mal die Kellnerin beleidigt weil ich gefragt habe, ob sie auch deutsches Bier haben...
In Cincinnati werden übrigens nicht nur deutsche Traditionen kopiert. Jeder Anlass zum Trinken wird genutzt. So auch der irische St.Patrick's Day, an dem Horden von grünen Menschen durch die Nacht ziehen und grünes Bier oder Irish Carbombs trinken. Nach anfänglicher Skepsis bin ich von beidem positiv überrascht gewesen und dann wars auch egal, dass alle total bescheuert aussehen und keiner ne Ahung hat was der St.Patrick's Day eigentlich bedeutet.
Der Abschluss an der Uni war auch noch ziemlich nervenaufreibend. Für meinen Kurs habe ich als Abschlussprojekt ein Video produziert, bei dem mir meine talentierten Freunde zum Glück mit ihren schauspielerischen Talenten ausgeholfen haben. Die Nächte vor der Angabe inklusive Kritiksession habe ich jedenfalls nicht viel geschlafen und als ich dann vorne stand und mein Video vorgestellt habe, habe ich auch ein klitzekleines bisschen gezittert. Dafür war das Gefühl unglaublich, seine ganzen Nerven und Energie in ein Projekt zu stecken, das einem tatsächlich am Herzen liegt und es dann vor Publikum zu präsentieren. Vor allem, wenn die Kritik positiv ausfällt... Und obwohl ich natürlich mit dem Ergebnis nicht 100prozentig zufrieden bin, glaube ich kaum, dass ich auf meine Bachelorarbeit so stolz sein werde. Allein wegen den Erfahrungen an der Uni hat es sich gelohnt nach Cincinnati zu gehen und es spuken jetzt auch zukunftsmäßig ein paar neue Ideen in meinem Kopf herum.
Mein letztes Wochenende war schrecklich schön. Und das meine ich wörtlich.
Nach viel Feierei und Lagerfeuer und Blueberrypancakes mit Sonnenaufgang habe ich mich Sonntag endlich ans Packen gemacht und war total genervt weil schon die ganzen Neuen eingezogen sind. Ich habe niemand Bescheid gegeben, weil ich keinen großen Abschied wollte. Auf einmal schaue ich aus dem Fenster und sehe wie Freunde von mir in meinem Garten Zweige sammeln und Feuer machen. Das war die schönste Überraschung. Sie meinten ich könnte nicht abhauen ohne Marshmallows am Stock gegrillt zu haben...
Das wichtigste waren natürlich die Menschen. Ich habe so viele tolle Leute kennengelernt und einige sind echte Freunde geworden. Der Gedanke, dass ich nicht weiss ob und wann ich sie alle wiedersehe ist hart aber andererseits habe ich jetzt auch Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt. Ich kanns kaum erwarten die alle zu nutzen!
Jetzt gehts nach Ostern allerdings erstmal zurück in die Stadt meines Herzens, wo ich in meine neue Wohnung ziehe!!!
Vielen Dank für all das positive Feedback, ohne das hätte ich wahrscheinlich irgendwann aufgehört zu schreiben...
Also: No Goodbye, stattdessen: See you later und Servus! Hoffentlich bald live und in Farbe!!!
Die Steffi