Freitag der 13. November hat aber auch eine ganz spezielle Bedeutung für mich... ich bin jetzt seit genau 2 Monaten hier. Das ist unglaublich und vor allem erschreckend weil es bedeutet, dass in 4 Wochen schon Halbzeit ist und ich mich für zwei Wochen in der Heimat einfinden werde um Weihnachten mit meinen Liebsten zu verbringen.
Ich hoffe das nimmt mir niemand übel aber der Gedanke schon bald wieder nach Hause zu fliegen (auch wenns nicht für lange ist) löst im Moment vor allem die Angst aus, dass mein Abenteuer hier schneller vorbei sein wird als mir lieb ist...
Hier die Top 10 der Dinge, die ich ganz furchtbar vermissen werde:
10. Die Bag-Packer im Supermarkt
Als ich hier ankam war Einkaufen im Supermarkt erstmal eine echte Erfahrung. Zum einen weil amerikanische Supermärkte einfach komplett anders sind was die Lebensmittel und die Auswahl angeht und zum anderen weil man jedes Mal an der Kasse die lebenswichtige Entscheidung treffen muss, ob man seinen Einkauf lieber in Papier- oder Plastiktüten eingepackt bekommen möchte. Die Entscheidung hängt jeweils davon ab wie es um mein Umweltgewissen und meine Bequemlichkeit gerade steht... Anfangs habe ich mich echt unwohl dabei gefühlt, dass ich fremden Leuten dabei zusehe wie sie meine Sachen für mich einpacken. Inzwischen liebe ich einfach nur den Luxus, dass alles was ich zum Einkaufen dabei haben muss, meine Kreditkarte ist!
Hier wird übrigens alles alles alles mit Kreditkarte bezahlt, egal wo, egal welcher Betrag. Segen und Fluch sag ich da nur... Es ist sogar üblich, dass man wenn man in eine Bar geht, einfach mit der ersten Bestellung seine Kreditkarte abgibt und sie am Ende des Abends wieder abholt, wenn alles abgerechnet wird. So viel Vertrauen lässt meine deutsch-misstrauische Mentalität leider einfach nicht zu!
Das Trinkgeld-System habe ich bisher noch nicht wirklich kapiert. Ist irgendwie kompliziert und es ist jedes mal anders wie, wann und wieviel Trinkgeld man gibt.
Die Bag-Packer im Supermarkt kriegen jedenfalls ungerechterweise keines. Aber ich habe trotzdem aufgehört mich schlecht zu fühlen, weil mein Supermarkt um die Ecke inzwischen mein zweites zu Hause ist. Er ist nur eine Minute entfernt, was dazu führt, dass ich oft mehrmals täglich da bin um noch irgendwas schnell zu besorgen. Die Kassierer und Bag-Packer kennen mich und meine Mitbewohner inzwischen schon so gut, dass wir freudig auf Deutsch oder Französich begrüßt werden und auch angelächelt werden, wenn wir 2 Minuten vor Ladenschluss noch zur Kasse hetzen.
9. Die amerikanische Sprache
Meine Mitbewohnerin Claire aus London hat das süßeste British-English, das ich jemals gehört habe und trotzdem habe ich mich mit dem amerikanischen Akzent angefreundet!
In Cincinnati wird kein spezieller Slang gesprochen, so dass alle ziemlich gut verständlich sind für mich. Da meine Persönlichkeit eindeutig zu Übertreibung und Dramatisierung neigt, fühle ich mich rund um wohl damit alles als "amaaaaaazing" zu bezeichnen und Vorfälle mit "Oh my goooood! Holy Shit!" zu kommentieren. Was ich leider leider auch lernen musste ist, dass hier zwar informell alles fucking irgendwas ist, man das böse F-Wort aber lieber nicht in der Öffentlichkeit benutzt... tja... Mein Lieblingsausdruck No 1: "Awesome Dude!" (Wird von Amis nur gefühlte alle 5 Minuten verwendet)
8. Beer-Pong
Beer-Pong ist wohl das beliebteste amerikanische Trinkspiel. Auf jeder Party gibt es einen Beer-Pong-Tisch. Die Regeln hab ich ja glaub ich schonmal erklärt... Kurzfassung: man wirft PingPong Bälle in mit Bier gefüllte Plastikbecher auf der anderen Seite des Tisches. Wenn man trifft, muss der Gegner den Becher austrinken. Wer zuerst keine Becher mehr hat, hat verloren. Für alle, die über meine unglaubliche Ungeschicktheit und meinen Drang Becher eher fallen zu lassen, als sie auszutrinken, Bescheid wissen, mag das nach einem Spiel klingen, das nicht unbedingt für mich geschaffen ist... zu meiner eigenen ungeheuchelten Überraschung scheine ich allerdings echtes Talent zu haben! Es gibt Zeugen!
7. Die Eismaschine in meinem XXL-Kühlschrank
Unser Kühlschrank ist ein Mysterium! Dinge verschwinden (ganz oder auch nur zur Hälfte) und tauchen manchmal an ganz anderen Stellen wieder auf. Was mich aber am Meisten fasziniert - abgesehen davon, dass er größer ist als ich - ist, dass er Eis zaubern kann. Man muss nur seinen Becher in die Öffnung halten und sich zwischen Cubes und Crushed-Ice entscheiden und plopp, plopp, plopp, da isses! Eis gibts hier in jedem Nachfüll-Automat in den "Restaurants" und Amis trinken nichts ohne Eis, ausser Bier. Das Getränke-Nachfüllen for free gehört wohl auch zu den Dingen, die ich vermissen werde...
6. Curritos
Hier gibt es ungefähr so viele mexikanische Restaurants wie bei uns Dönerbuden. Meine mexikanische Zimmernachbarin - die mich dummerweise nächstes Quarter verlassen wird :( - schimpft immer kräftig, dass die Amerikaner die mexikanischen Gerichte falsch zubereiten und ihnen die falschen Namen geben. Nur mit einem Restaurant hat sie sich wirklich angefreundet: Curritos, 2 Minuten vom Campus entfernt. Dort gibt es die besten Burritos! Da wir diesen Platz zu unserer Pilgerstätte für Montags um 12 erkoren haben, habe ich inzwischen auch bis auf den Bankog-Burrito schon die ganze Karte durch.
Toti hat mich übrigens anhängig gemacht von mexikanischem Essen. Ich habe keine Ahnung wie ich in Zukunft ohne Burritos, Quesadillas, Enchiladas und Tacos leben soll!
5. Starbucks
Jaaaa, ich weiss, dass es auch in Deutschland Starbucks gibt aber das ist einfach nicht das selbe!!! Mein langweiligster Kurs hier ist "Communication in Organizations" (der einzige Kurs, der denen zu Hause ähnelt, kein gutes Zeichen...). Dummerweise habe ich diesen Kurs auch noch Dienstags von 18.30 bis 21 Uhr mit 5 Minuten Pause. Das ist kein Witz! Keine Ahnung was ich mir dabei gedacht habe. Der Professor ist ganz nett aber da er kein echter Professor ist, sondern aus der Praxis kommt und nur diesen einen Kurs gibt, hat er so viel Freude daran, dass er uns nieee früher gehen lässt, weil die Diskussionen ja so toll sind... tja, um den ganzen Spass irgendwie zu überleben renne ich jeden Dienstag um 5 vor Halb zu Starbucks um mich für die restlichen 2 1/2 Stunden an meinen Café Latte zu klammern.
Kurzum: Starbucks rettet mir das Leben - und das jeden Dienstag!
4. Greater's Icecream und Peanutbutter-Chocolate-Chip-Cookies
Dummerweise sind nicht nur Kino und Supermarkt 1 Minute von meiner Haustür entfernt, sondern auch Greater's. Die beste Konditorei-Eisdiele der Welt. Eine Kugel hier ist so groß wie 4 Kugeln bei uns und noch 5 Mal besser als Ben&Jerries weil das Eis selbst gemacht ist (Für Cookie Dough Chip würde ich töten)!
Als Carlos Geburtstag hatte haben wir ihm einen Schockokuchen von Greater's geschenkt, der definitiv nach Sünde geschmeckt hat! Jeden Tag an Greater's vorbei zu gehen ohne immer reinzugehen erfordert ein Höchstmaß an Selbstdisziplin!
Meine andere Lieblingssüßigkeit sind die amerikanischen Cookies. Die gibt es hier überall in 1000 verschiedenen Varianten und anders als bei uns auch in Soft anstatt Crunchy. Meine Lieblings-Kombi ist Peanutbutter-Chocolate-Chip. Ich kann die allerdings nicht offen in meinem Zimmer herumliegen lassen, da gewisse Mitbewohner sich in ihrer Sucht auch nicht so recht zügeln können, so dass Besuche in meinem Zimmer nicht immer mir gelten und auch nicht immer in meiner Anwesenheit stattfinden.
3. "Blueberry Morning"
Da mir schnell klar wurde, dass ich nicht 6 Monate lang von Toastbrot leben kann, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen und bin auf Müsli zum Frühstück umgestiegen. Was als Handlung aus der Not heraus entstanden ist, ist inzwischen zur Sucht geworden.
"Blueberry Morning" ist eine Mischung aus Kornflakes, irgendwelchen Getreideflocken, Mandeln und Blueberries (wer hätts gedacht) und hat ja wohl den bezauberndsten Namen, den ein Müsli nur haben kann!
Wenn ich morgens in die Küche komme und entdecke, dass mein Müsli leer ist, ist der Tag gelaufen. Ich werde das wohl kiloweise importieren müssen...
2. Mein Geisterschloss
Was soll ich sagen... inzwischen fühle ich mich eben echt irgendwie zu Hause hier...
Mein lila Mädchenzimmer mit den rosa Vorhängen, dem Kamin und dem Schnörkelspiegel, das Wohnzimmer mit Klavier, noch größerem Kamin, bequemsten Sofa der Welt und dem hübschen Rentierkopf an der Wand, die all-american Küche mit lebensgroßem Eismaschinenen-Kühlschrank und Barzeile, die Veranda mit Garten, der Partykeller mit Billardtisch... Wie soll ich jemals wieder in einer stinknormalen Wohnung wohnen??? (Wobei ich nicht daran zweifle, dass wir die perfekte Wohnung für die Alters-WG finden werden, Christinchen!)
1. Meine Conversa-Family (und meine Lieblings-Amis, die ich ja zum Glück noch nicht verabschieden muss)
Das traurigste an dem zu Ende gehenden Quarter wird der Abschied von den meisten meiner Mitbewohner. Nur Claire und Thomas werden bleiben... nach dem Bachelor werde ich dafür aber reisen, reisen, reisen!!! Mexico, Chile, Paris und London (und vielleicht auch Japan, haha) - ich werde kommen!!!
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